Advent, Advent,...

„Nun wünschen wir euch eine gute Adventszeit…“ „ja, kommt gut durch den Advent“, höre ich mich sagen. So in etwa die letzten Worte eines Telefonates zu Beginn der Vorweihnachtszeit. Ich drücke die rote Taste auf dem Hörer in meiner Hand.
Der letzte Satz bleibt hängen. Schon wieder Advent. Ich merke wie sich eine gewisse Unruhe in mir bemerkbar macht, als ob ich noch etwas zu erledigen hätte. Da wäre die Weihnachtspost, vielleicht sollte ich besser jetzt schon damit anfangen? Ich sollte endlich wieder backen, am besten als Gemeinschaftsaktion mit Freundin und Kindern. Mindestens ein Weihnachtskonzert sollte ich schon besuchen. Geschenke: wieder auf den letzten Drücker? Oder beim Gang über den Weihnachtsmarkt mit der Liste verkrampft in der Hand in meiner Jackentasche - für wen brauche ich noch eine Kleinigkeit? Ja, Listen sind gut, am besten fertige ich für jeden Punkt und weitere bald möglichst eine Liste an, damit mein Kopf frei wird und ich nichts vergesse. Und dann übernehme ich diese gleich in mein Smartphone. An meinen Schläfen nehme ich ein leises Pochen wahr. Es ist jedes Jahr das gleiche.
Und plötzlich ist sie wieder da. Ich setze mich an den Tisch, ein weißes Blatt Papier vor mir. Wenn schon Listen, warum nicht gleich eine Wunschliste? Ich schreibe, einen Wunsch nach dem anderen, in versucht schöner Schrift auf. Einzelne Gedanken zucken wie kleine Blitze durch meinen Kopf. Ich will sie schnell festhalten und schreibe Stichpunkte auf:

Wunschliste für den Advent:
Zuallererst wünsche ich mir, dass der Advent in seiner ursprünglichen Bestimmung erkannt wird: als eine besondere Zeit der Vorbereitung. Ja, er gilt sogar als Bußzeit, einer Zeit der Einkehr und Besinnung.
Ich wünsche mir, dass es wirklich eine stille Nacht und heilige Nacht geben wird, in der die Erfahrung und Erkenntnis geboren wird, dass Gott die Welt liebt und durch seinen Sohn und Heiligen Geist auch durch uns zur Welt kommt – Advent als wahre Ankunft!
Nur keinen Stress: Ich wünsche mir, dass Basteln, Backen und Feiern im Advent Gelegenheiten und Orte sind, an denen Gemeinschaft und Geselligkeit und der Sinn von Advent und Weihnacht zelebriert werden, dass backen wirklich Liebe ist.
Ich wünsche mir, dass wir die Weihnachtsgeschichte und die Charaktere in ihr immer wieder neu an uns heranlassen und nicht aufhören über sie nachzusinnen: gegrüßt seist du Maria mit Kind unterm Herzen, du uralte Wahrheit!
Ich wünsche mir, dass Menschlichkeit Gestalt annimmt, eine aufrichtige und ehrliche Haltung gegenüber meinen Mitmenschen, mir selbst und der Umwelt von morgen.
Ich will bescheiden werden, wie alles um die Weihnachtsgeschichte herum so einfach, klein, demütig, ursprünglich und eben bescheiden ist: Maria und Josef auf dem Esel zum Stall ein kleines Kind, die Hirten auf dem Feld.
Ich wünsche mir, dass der Grund unserer Freude eine lebendige Hoffnung ist, die trägt, auch wenn sie vor den Herren dieser Welt absurd ist..
Ich will staunen können wie ein Kind.
Ich wünsche mir noch Zeichen und Wunder, die geschehen, die ich wahrnehme, und die mich glauben lassen. Im Kleinen wie im Großen. Vielleicht haben Menschen vor 30 Jahren gestaunt und es sogar als Wunder empfunden, als die Berliner Mauer sich über Nacht öffnete und es zur (Lebens-)Wende kam.
Es soll Licht werden; Deswegen zünden wir Kerzen an. Hoffentlich wird es uns dabei warm ums Herz.

Als selbst die Rückseite des Blattes vollgeschrieben ist, lege ich den Bleistift beiseite. Für dieses Jahr reicht es, es ist gut.
An wen adressiere ich eigentlich diese Liste? An das Christkind? Den Weihnachtsmann?
Ich falte die Liste ganz klein und stecke sie in meinen Geldbeutel, den ich wahrscheinlich noch oft zücken werde beim Konsumieren für die Vorbereitungen auf das Fest. Dennoch, die Liste soll mich durch den Advent begleiten. Ich will sie ganz nah bei mir haben. Ich hoffe mich immer wieder daran zu erinnern.
Und da ist sie wieder. Die alte Sehnsucht nach einer wirklich besinnlichen Zeit. Lieber Gott, danke. Es ist Adventszeit. Ich wünsche uns allen eine gute und gesegnete Adventszeit.

Ihre Pfarrerin Vanessa Wöllenstein

Mittwoch, 1. Januar
Neujahrstag
17:00 Neujahrs-Abend-Andacht in Neckarhausen
im Gemeindehaus

Montag, 6. Januar
Drei Könige
10:00 Gottesdienst